Dieser Blog soll die Reform des deutschen Schwimmunterrichts voranbringen.

Weltweit sind sich Schwimmexperten einig: Jedem Ertrinkungsfall mit tödlichem Ausgang oder schwerer Behinderung sind mindestens 100 Beinaheertrinkungsfälle hinzuzuzählen, die von keiner Statistik erfasst werden.

Gemeint sind die Situationen, in denen die Betroffenen nach eigenem Empfinden “fast ertrunken” sind, einen Schock erlitten, danach “nie wieder” ins Wasser wollten und sich oft genug lebenslang an diesen Vorsatz halten.

Doch es wären in allen wassertypischen Unglücksmomenten gravierende Fortschritte möglich, wenn die Vorzüge der spätestens seit dem Jahr 2000 durch Bücher und Filme bekannten Aquapädagogik in den herkömmlichen Schwimmunterricht integriert würden.

Nach diesem Konzept können Kinder wesentlich früher, sicherer und vielseitiger schwimmen lernen. Schon Drei- bis Vierjährige schaffen das, nachgewiesen in Filmen und in einem neutralen Sicherheitstest.

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Schwimmflügel – die ideale Schwimmhilfe

Wer im schwimmtiefen Wasser allein eine zehnköpfige Gruppe Drei- bis Fünfjähriger unterrichtet, wird sich zwangsläufig um absolut sichere Schwimmhilfen bemühen müssen. Sie sollten von der ersten bis zur letzten Stunde variabel anwendbar sein und dabei den motorischen Lernprozess nicht behindern. Optimale Funktionalität ist gegeben, wenn sie volle Bewegungsfreiheit erlauben und als kaum wahrnehmbares, selbstverständliches Hilfsmittel das Schwimmen lernen unterstützen. Schwimmflügel sind die idealen Begleiter auf dem Weg ins nasse Element. Sie fördern Vertrauen und Sicherheit am und im Wasser. Sie wurden weltweit millionenfach in der familiären Wassergewöhnung eingesetzt. Ebenso schätzt man sie auf allen Kontinenten seit Jahrzehnten als absolut sicheres und dennoch flexibles, leicht zu handhabendes und preisgünstiges »Werkzeug« des modernen Schwimmunterrichts.

Obwohl inzwischen diverse Hersteller von Schwimmflügeln am Markt sind, bieten die original BEMA-Schwimmflügel im Gruppenunterricht immer noch wichtige Vorteile: verschiedene Größen, einen luftleeren, flachen Teil zwischen Arm und Körper (der erst völlige Bewegungsfreiheit garantiert), abgerundete Ecken an den oberen Spitzen (die ansonsten gern in die Augen geraten), Grundmaterial ohne „Weichmacher“ sowie den Elefanten im Logo, was gelegentlich in speziellen pädagogischen Situationen ein Pluspunkt ist.

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Über das Tauchen beim Babyschwimmen

Warum und Wie sollten wir mit Babys beim Babyschwimmen das Unter-Wasser entdecken?

Christian Zwengel, Schwimmschule Delphin, im November 2018

Zusammenfassung

Es gibt durchaus vielfältige Meinungen über das Tauchen von Babys und Kleinkindern. Die Spanne reicht von vehementer Ablehnung mit dem Stichwort Vertrauensmissbrauch1 bis hin zu unreflektierter Zustimmung, da ja schließlich ein „Atemschutzreflex2“ vorhanden wäre3.

Ich komme in diesem Text zum Schluss, dass das Tauchen mit Babys und Kleinkindern eine wichtige Maßnahme zur Wassersicherheit ist und zur gesunden und umfassenden Entwicklung von Kindern im Wasser unbedingt dazu gehört. Ich empfehle, die Methodik des Tauchens an die frühkindliche Entwicklung anzupassen

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Sicherheit – wie machen es die anderen.

Seit über zehn Jahren vergleiche ich die offiziellen Statistiken der Ertrinkungsopfer mit der Entwicklung der Unfallzahlen im Straßenverkehr und prangere an, dass die großen deutschen Schwimmorganisationen seit Ende der sechziger Jahre im Anfangsunterricht das Thema Sicherheit im Wasser weitgehend ignorieren und sich gegenüber neuen Konzepten konsequent verweigern. Inhalte, Ziele und Organisationsformen auf den Prüfstand stellen – Fehlanzeige und lähmender Stillstand. Allein ein Zusammenhang mit der Qualität des Sommers lässt sich erkennen, aber keinerlei grundsätzliche Verbesserung. Im Straßenverkehr wurden nach Angaben des statistischen Bundesamtes die tödlichen Unfälle bis heute um rund 85 % reduziert – und das bei einer Verdreifachung des Verkehrsaufkommens in diesem Zeitraum.

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Vorwort zur chinesischen Neuauflage des Aquapädagogikbuches

Liebe Leserinnen und Leser in China,

vor vielen Jahren faszinierte mein Großvater als ehemaliger Berufstaucher seine große Enkelschar bei Familienfeiern immer wieder mit seinen spannenden Berichten aus seinem Berufsleben und den weltweiten Taucheinsätzen, wobei wir Kinder kaum in der Lage waren, zwischen Dichtung und Wahrheit zu unterscheiden. Da Opa seine Erzählungen meist mit Hilfe seines Globus verdeutlichte, war es uns Kindern immer möglich, seine Reisen in unseren Träumen noch einmal an den Originalschauplätzen mitzuerleben. Besonders die Tigerjagd nahe Hai Phong, der vietnamesischen Hafenstadt, hatte es uns angetan – Jahr für Jahr wurde die Story daher auch etwas dramatischer – also Spannung pur, besser als jedes TV-Programm. Aber nachgewiesene Tatsache ist, er war dort 1922 wirklich für die französische Kolonialverwaltung mehrere Monate als Taucher im Einsatz. Nebenher erfuhren wir von Opa auch noch, dass es „dort in der Nähe, nämlich in Peking“ die verbotene Stadt gab, die von einer derart großen Mauer umgeben war, dass man sie sogar vom Mond aus erkennen konnte. So waren meine kindlichen Kenntnisse immerhin durch einen echten Experten geprägt. Dafür habe ich meinen Opa unzählige Male beneidet – wie gern hätte ich derartige Weltwunder auch einmal mit eigenen Augen gesehen. Das Fernweh wurde uns jedenfalls auf diese Art  sehr erfolgreich eingeimpft.

Später, als ich mir mit 22 Jahren einen ersten gebrauchten Fernseher leisten konnte, war ich faszinierter Zuschauer möglichst vieler Reportagen aus aller Welt. Über China wurde nur sehr selten berichtet und daher blieben in meinem Kopf vor allem die Bilder riesiger Menschenmengen hängen, die alle – Frauen und Männer, Junge und Alte – die gleichen Uniformen trugen. Zu gern hätte ich die Gelegenheit gehabt, mir ein persönliches Bild zu machen, denn ich begriff langsam, dass TV-Berichte auch bestens zur Meinungsmanipulation geeignet waren und als Querdenker war es sicherlich nicht verkehrt, wenn möglich hinter die Kulissen zu schauen. Aber es war nur Wunschdenken, China war für mich sehr, sehr weit weg. 

Doch es gibt eben doch noch Wunder. Inzwischen hatte ich vor allem durch meinen Sport nicht nur viele Länder Europas gesehen, sondern erhielt Dank der von mir entwickelten Aquapädagogik bereits mehrmals Einladungen als Sprecher bei großen Kongressen in den USA und in Boenos Aires – in wenigen Wochen sollte ich sogar in Australien und Neu Seeland mein Konzept vorstellen. Das war im Spätsommer 2013 und mich überraschte die Anfrage einer chinesischen Scoutingagentur, die zuvor in sämtlichen führenden Schwimmnationen weltweit nach der optimalen Schwimmlehrmethode suchte. Die Skouts erklärten mir, dass sie sich in Sachen Pädagogik immer zuletzt in Deutschland informieren, weil man in China generell eine sehr hohe Meinung vom deutschen Bildungssystem hat. Nun hatte man sich bereits in den führenden Sportuniversitäten in Köln und Leipzig umgesehen, die Konzepte der Sport- und Rettungsschwimmer studiert und war am Ende via Internet auf die Aquapädagogik gestoßen und … war davon sofort überzeugt. Was ihnen fehlte, war nur noch der Beweis, dass zwischen Theorie im Internet und Praxis im Schwimmbad die erhoffte Übereinstimmung zu erkennen war – sie wollten sich life vom Geschehen überzeugen.

Am nächsten Tag waren die beiden Skouts mit einem Dolmetscher in unserem Bad und schon nach 15 Minuten erklärte mir der Dolmetscher, warum der eine Skout mit dem Telefon am Ohr vor die Tür ging. „Wir haben bei Ihnen das richtige gefunden. Das wird den Auftraggebern jetzt mitgeteilt und die werden sich sehr schnell bei Ihnen melden“, hieß es. Und richtig, schon zwei Tage später kam die Mail der chinesischen Schwimmschulorganisation mit der Frage, ob ich kurzfristig ca. 25 Schwimmlehrer nach meinem Konzept ausbilden könne, entweder in Hamburg oder in Peking.

Selbstverständlich konnte ich das und machte den Vorschlag, zu diesem Zweck meine noch nicht gebuchte Rückreise von Neu Seeland für eine weitere Woche in Peking zu unterbrechen, um dort das gewünschte Seminar in China durchzuführen. So kam ich zu meiner ersten vierwöchigen Weltreise, kam überladen mit tausenden unvergesslichen Eindrücken nach Hamburg zurück. Adelaide und Sydney in Australien sind bereits ein Riesenerlebnis, obwohl vieles noch recht westlich-europäisch anmutet. Aber welch ein Zufall: Die australische Marine feierte Jubiläum und im Hafen waren diverse Kriegsschiffe aus verschiedenen Ländern zu besichtigen. So kam es, dass ich bereits hier chinesisches Terrain betrat, eine hochmoderne Fregatte der chinesischen Marine – ganz sicher keine chinesische Dschunke, von denen mir früher unser Opa so oft erzählte. 

Danach der Kongress in Queenstouwn, dem Touristenzentrum auf der Südinsel und die folgende zweiwöchige Bustour, zum großen Teil über vereinsamte Straßen durch beeindruckende, menschenleere, stille Natur bis hin zur Metropole Auckland. Dort versteht man es sofort, warum es dorthin nicht nur Neu-Seeländer zieht, sondern ebenso betuchte Bürger aus aller Welt. 

Dann das Kontrastprogramm Peking: der utopisch große Airport, die unzähligen Menschen, die überfüllten Straßen, die vielen Wolkenkratzer, die unsere Hochhäuser zu Minihütten degradieren. Dazu die Erkenntnis, dass man die Welt bislang völlig falsch einschätzte: Nicht wir Deutschen, wir Europäer sind in der Entwicklung vorweg, sind die modernen Vorreiter, nein es ist ganz sicher das aktuelle China, was Maßstäbe an Entschlossenheit, an schnellem Umsetzen von Ideen und Innovationen setzt, wo die Menschen ohne Ende wissbegierig, ehrgeizig und ausdauernd sind. Und diese Menschen sind nahezu alle ausgesprochen höflich, freundlich, vertrauensvoll und auf eine wirklich angenehme Art dankbar, wenn man sich bemüht, mit ihnen das eigene Wissen zu teilen. Nebenher durfte ich mir meine Kindheitsträume erfüllen, durfte die „verbotene Stadt“ besuchen und mehrere Kilometer auf der „großen Mauer“ wandern und zusätzlich diverse touristische Nationalheiligtümer besuchen, immer begleitet von begnadeten Dolmetschern und fürsorglichen Mitgliedern der Loongkids-Schwimmschulen. 

Im Verlauf von nunmehr zehn Chinareisen, die mich bisher in über 20 Megastädte führten, konnte ich rund 400 junge Schwimmlehrer nach meinem Konzept ausbilden. Ferner wurde die erste chinesische Auflage meines Aquapädagogikbuches als angeblich erstes Fachbuch überhaupt zu diesem Bereich veröffentlicht und im Herbst 2015 im Kongresszentrum des Pekinger Olympiaparks das „Chinesisch-europäische-Aquapädagogik-Research-Center“ (CEAPRC) gegründet, welches bereits drei nationale Kongresse mit weltweit bekannten Referenten veranstaltet hat. Doch nebenher ist mir auch klar geworden, dass ich dennoch erst einen Blick durch das Schlüsselloch in das chinesische Riesenreich werfen durfte. Aber diese sehr begrenzten Kenntnisse erlauben es mir dennoch, nach bald fünfjähriger Chinaerfahrung ein erstes Fazit zu ziehen:

Zunächst ist es keineswegs so, dass nur ich mein Wissen über den Schwimmunterricht weitergegeben habe. Das ist sicherlich nach wie vor der Schwerpunkt unserer Kooperation und ich meine, dass diese Fahrtrichtung noch eine Weile die vorwiegende bleiben wird. Dazu sagt mir meine lange Erfahrung, dass das, was ich in über 20 Jahren gelernt habe, auch der talentierteste Pädagoge in China nicht von heut auf morgen in allen Einzelheiten praktizieren kann. Aber dennoch sind die Loongkids-Lehrer inzwischen auf einem sehr, sehr guten Weg. Sie sind bereits heute die chinesischen Experten für das Baby- und Anfangsschwimmen.

Und ich gebe gerne zu, dass auch ich in fachlicher Hinsicht in China einiges dazu gelernt habe, was mir neue Erkenntnisse bescherte und mich befähigte, in manchen Bereichen spezieller und damit erfolgreicher agieren zu können – was auch hier in Europa in meine Seminare Einzug hält.    

Obwohl ich seit vielen Jahren das Glück hatte, deutlich mehr als üblich von der Welt sehen zu können und vor allem auch überall persönliche Kontakte zu den Einheimischen herstellen konnte, wird alles von meinen Eindrücken in China übertroffen. So sehe ich in meinem Engagement in China ein großes Glück, eine ebenso große Ehre und eine sehr, sehr dankbare Aufgabe, der ich gern noch recht lange nachkommen möchte. China ist für mich inzwischen zum größten Abenteuer meines Lebens geworden. Deshalb stellvertretend ein herzliches Dankeschön an Lynne, Serena, Elen, May, Eason und Kevin von Loogkids sowie „meinen chinesischen Stimmen“, allen voran Sina, Emily und Wenbo und an all die unzähligen freundlichen Personen, die mir bislang in China begegnet sind – die mich in ihrer riesengroßen Schwimmfamilie so überaus herzlich aufgenommen haben.

Uwe Legahn, Hamburg, im August 2018   

Antwort: Statement im EVAU-Magazin Nr. 2 von Axel Dietrich

Hallo Herr Dietrich,
keineswegs überrascht erfuhr ich frühzeitig durch Florian Burkhardt, dem stellvertretenden Chefredakteur des EVAU-Magazins, von der DLRG- und DSV-Weigerung, sich einem Streitgespräch mit mir zum Thema Anfangsschwimmen zu stellen.
Deswegen nicht überrascht, weil Sie es waren, der persönlich 2012 zunächst offiziell ein Rezensionsexemplar meines Lehrfilms anforderte und sich danach entgegen Ihrer Zusage weigerte, Ihre Rezension in der DSV-Zeitschrift zu veröffentlichen – ein Vorgehen, welches mir gegenüber von hoch geschätzten DSV-Praktikern als blamabel, unmöglich und erbärmlich tituliert wurde. Falls es Ihrem Gedächtnis entfallen ist, hier noch einmal der Link zu meiner Entgegnung auf Ihren eindrucksvollen Fairplaybeweis: www.aquapaedagogik.org/Blog/Rezension 

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Am Südpol zu Hause

Zwei mal kam der Brief mit den Buchungsunterlagen an Familie Cardenas als unzustellbar zurück.
Verständigungsprobleme; bei uns spricht nicht jeder spanisch und Herr Cardenas hatte noch ein paar Schwierigkeiten mit der deutschen Sprache.
Im dritten Anlauf kam der Brief an und wenige Tage später waren die drei Cardenas-Brüder beim Probeschwimmen.
Ricardo, der älteste 10 Jahre, der für seine Brüder Benjamin, beinahe 6 Jahre und Gustavo, nahezu 4 Jahre übersetzte so gut er konnte, denn auch er verstand noch längst nicht alles.
Aber besonders Gustavo, ein kleiner stämmiger Kerl mit einer riesigen, schwarzen Lockenpracht verstand offenbar trotz großer Konzentration kein Wort von mir.
Auch später im Kurs sah er mich nur immer aus seinen dunklen großen Augen an, wandte sich dann hilfesuchend an Ricardo oder blieb clever bis zuletzt vor dem Wasser stehen, um sich die Aufgabe bei den anderen Kindern abzuschauen. Er zeigte das typische Verhalten der Kinder, die erstmalig mit dem Wasser in Kontakt kommen: Er ging die Sache vorsichtig, gelegentlich auch skeptisch, aber nicht ängstlich, eher neugierig und wenn er sich überzeugt hatte, auch mutig an.
In der Gruppe war Gustavo der Jüngste, um den sich Ricardo mit großer Ausdauer bemühte. Es war immer wieder faszinierend, diese geduldige, selbstverständliche Hilfsbereitschaft unter den Brüdern zu erleben. Ebenso rührend war es, die Freude der Mutter – und ein mal pro Woche beider Eltern – aus den Augenwinkeln zu verfolgen, wenn sie voller Stolz ihren Jungen mit anerkennenden Gesten  weiter Mut machten.
Bei allen zuschauenden Eltern hinter der Scheibe sorgte Gustavo ständig für Heiterkeit, weil er nach jedem noch so geringen „Untertauchen“ oder kleinstem Sprung auch den letzten Wassertropfen wie ein kleiner Dackel mit heftigem und andauerndem Kopfschütteln aus seiner Lockenpracht beförderte. Er ist einer, den alle sofort in ihr Herz schließen, einer zum „Klauen“.
Am Ende des Kurses schafften die beiden Großen auf Anhieb ihr Seepferdchenabzeichen, Gustavo schwamm die ersten Meter, sprang allein und tauchte, aber es reichte noch nicht ganz. Aber das Kopfschütteln war vergessen, denn auch er hatte gelernt, dass man nur mit nassen Haaren, die man ja „vorzeigen und anfühlen“ lassen musste, dünnere Schwimmflügel bekam.
Nach dem Kompaktkurs wechselten die Brüder gemeinsam in die Aufbaustunden am Montag zu Bärbel. Ricardo und Benjamin sind inzwischen stolze Besitzer des Bronzeabzeichens  und Gustavo hat kurz vor Weihnachten das Seepferdchen geschafft. Am liebsten schwimmt er gedankenverloren in sich gekehrt auf dem Rücken und ist jedes mal erstaunt, wenn er schon wieder am Rand ist. Nichts kann ihn aus der Ruhe bringen. Und Ricardo, Bärbel und alle anderen können noch so sehr zur Eile mahnen, er wird nicht aus dem Wasser kommen, bevor er noch einmal untergetaucht ist.
In der Zwischenzeit hat auch Frau Cardenas bei mir das Schwimmen gelernt. Zunächst wollte ich nicht recht glauben, warum eine so sportliche Spanierin nicht Schwimmen kann. Der Grund war aber sehr einleuchtend:
Familie Cardenas stammt nicht, wie vermutet, aus dem warmen Spanien, sondern aus Chile. Und dort leben sie in der südlichsten Stadt der Welt, in Punta Arenas, gegenüber Feuerland und damit fast schon in direkter Nachbarschaft zur Antarktis, wo Herr Cardenas an der Universität als Forscher im Bereich Elektrotechnik tätig ist und nun für vier Jahre als Doktorant an der TU Harburg arbeitet.
In Punta Arenas gibt es kein öffentliches Schwimmbad und draußen sollte man das Schwimmen lieber nicht versuchen.
Schön, dass man in unserem Beruf derart interessante Menschen kennen lernen kann.
Danke, Familie Cardenas.

 

Letzte Schwimmstunde

Donnerstag, 18.Dezember 2003. Allerletzte Unterrichtsstunde im Alstertal. Für die Kinder des Anfängerkurses ebenso wie für mich. Und alle Eltern sind mit im Bad, wollen die Erfolge ihrer Sprösslinge am Kursende noch einmal sehen.
Zu Beginn zeige ich den Kindern, die bereits gestern ihr Seepferdchenabzeichen geschafft haben, die Urkunden und Abzeichen. Gemeinsam kommen wir zu dem weisen Entschluß, erst einmal die Eltern mit den Erfolgssymbolen zu beehren, weil man ja im Wasser schlecht darauf aufpassen kann.

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Der Delphin aus Nantes

Nehme ich den natürlich gefärbten grauen oder lieber den blau-weißen Delphin? Schnell war die Entscheidung für die kinderfreundlichen knalligen Farben gefallen. Der Aussteller aus Südfrankreich versprach mir,  das gewünschte, naturgetreu geformte und 2 Meter große Kunststofftier bis zum Ende des  Kongresses hier in Nantes für mich zu reservieren. Ich war dort im Mai 2003, um vor rund 400 Teilnehmern aus ganz Frankreich einen Vortrag über Inhalte der von uns in Hamburg entwickelten AquaPädagogik zu halten.

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Übungsstätte und Hilfsmittel

Wer zu den Glücklichen zählt, die zwischen mehreren Schwimmbädern wählen können, der sollte Folgendes beachten: Es ist richtig, dass man in nahezu jedem Wasser schwimmen lernen kann, selbst unter den Eskimos soll es welche geben, die diese Kunst beherrschen. Wer es aber in unseren Breiten gut mit seinem Kind meint, wird ihm keine frustrierende »Zitterpartie« zumuten wollen und ein Bad suchen, das ein »kindgerechtes« Lernen erlaubt. Das bedeutet, man sollte ein überschaubares, ruhiges und vor allem warmes Bad (Wasser und Luft) einem großen Schwimmzentrum oder Erlebnisbad vorziehen.
Die Zentralbahnhofsatmosphäre eines Großbades – mit all seiner Unruhe, die gelegentlich zur beängstigenden Geräuschkulisse wird, mit den neuen (nicht immer Wohl-) Gerüchen, mit den »unheimlich« vielen, fast nackten, fremden Menschen – verursacht bei etlichen Kindern Beklemmungen. Wenn dazu auch noch zu niedrige Temperaturen kommen, dann müssen nicht selten auch jene Eltern, die bislang voller Stolz von ihren draufgängerischen Kindern berichteten, einsehen, dass ihre »Mini-Rambos« plötzlich als angeblich wasserscheue Babys dastehen.

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Wer sollte unterrichten? Teil 2

Beim Anfangsschwimmen sollte ein Kursleiter
  • den Entwicklungsstand der Kinder sicher einschätzen können und ein Angebot entwicklungsgerechter Übungen parat haben.
  • Abweichungen in der Entwicklung (z.B. Wahrnehmungsstörungen) erkennen und Übungen entsprechend der unterschiedlichen Entwicklungsstadien individuell modifizieren.
  • Lerngruppen leiten und motivieren, grundsätzliche Zielvorgaben und längerfristige Unterrichtskonzepte entwickeln.
  • Stundenschwerpunkte und notwendige Abweichungen sowohl kindgerecht formulieren und begründen sowie auch vor den Eltern vertreten können.
  • notwendige Verhaltensregeln aufstellen, das Regelwerk selbst beachten und vorleben, um dadurch den Kindern Sicherheit zu vermitteln.
  • das Spannungsfeld Über- und Unterforderung erkennen und nutzen, sowie auf aktuelle Erfordernisse eingehen.
  • ein offenes Ohr für die Probleme der Kinder haben und bereit sein, eine Schiedsrichterrolle zu übernehmen.
Weil hier oftmals eine lebenslang wirksame Entscheidung gefällt wird, die darüber hinaus die Grundeinstellung zum Schwimmen, dem Sport- und Freizeitverhalten sowie einer gesunden und körperbewussten Lebensfüh- rung prägen kann, empfehlen wir hier eine gründliche Prüfung und im Zweifel einen vorherigen Besuch der Einrichtung.

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