Wer sollte Unterrichten – Teil 1

Aus dem Buch „Aquapädagogik – früh, sicher und vielseitig schwimmen“ von Uwe Legahn 
Vorweg das klare Bekenntnis: Das sollten sich die Eltern möglichst nicht nehmen lassen!
Sie sollten es tun, weil es für sie und für das Kind ein Riesenerlebnis ist, diesen Lernprozess gemeinsam zu erfahren. Wer ein dauerhaftes, inniges Vertrauensverhältnis zu seinem Kind weiter festigen, beziehungsweise aufbauen möchte, findet hier eine der besten Gelegenheiten. In der sicheren Obhut von Mama und/oder Papa an das Element Wasser herangeführt zu werden, es behutsam zu erforschen, um es später sicher zu beherrschen, sich darin wohl zu fühlen und dort in jeder Situation zu Hause zu sein, das können prägende Erlebnisse für beide Seiten sein. Auch und gerade mit bereits drei- bis fünfjährigen Kindern, die bislang kaum Wassererfahrung haben. Dazu muss man keinesfalls als ehemaliger Sportschwimmer bekannt sein, benötigt weder Urkunden, Medaillen, Schwimmabzeichen noch spezielle pädagogische Ausbildungen. Es reicht die Mitgliedschaft in der Liga der bewussten, verantwortungsvollen, vorausschauenden, liebevollen und damit vollkommen normalen Eltern!
Also nur Mut:

Wer selbst mit dem Wasser per du ist, sollte sich nach einer geeigneten Übungsstätte umsehen, eventuell vor dem Start vom Kinderarzt das O.K. holen und nach einer persönlichen Vorbereitung steht dem Start ins nasse Element nichts mehr im Wege . Mit der persönlichen Vorbereitung ist hier neben den üblichen organisatorischen Überlegungen vor allem gemeint, dass die Eltern sich zuvor in einer stillen Stunde selbst beleuchten, kritisch ihre eigenen Fähigkeiten und Eigenschaften, den bisherigen Erziehungsstil und Ihre Akzeptanz als Vertrauensperson bzw. Autorität bedenken sollten. Hilfreich ist sicherlich, in Gedanken viele alltägliche aber auch neue, kritische oder gar gefährliche Situationen aus der eigenen und aus Sicht des Kindes durchzuspielen.
Wer hier deutlich an seinen Fähigkeiten zweifelt, sollte deshalb keineswegs gleich aufgeben. Man schiebt den Start noch ein wenig hinaus und nutzt die Zeit zur intensiven mentalen Auseinandersetzung mit dem Metier. So kann man immer wieder im Geiste kritische Momente durchleben und versuchen, nach und nach ruhiger, angemessener, kindgerechter und damit erfolgversprechender auf Konflikte zu reagieren. Wer sich dann immer noch nicht ganz sicher fühlt, muss auch nicht verzweifeln. Man hat den großen Vorteil, sich nun intensiv mit dem Schwimmlehrgang seines Kindes befasst zu haben, das eigene Kind natürlich besser als alle anderen zu kennen und ihm damit sicherlich rundherum gute Startbedingungen bieten zu können. Ich bin überzeugt, dass engagierte – mit Bedacht, Überzeugung und direktem Körperkontakt agierende – Eltern, denen es dafür gelegentlich an Sachverstand mangelt, immer noch bessere Lehrmeister sind, als alle unmotivierten, desinteressierten so genannten Fachleute.
Doch so sehr ich auch das familiäre Unterrichten favorisiere (und hoffentlich mit dieser Arbeit einige Eltern dabei unterstützen kann), ich bin Realist und weiß daher nur zu gut, dass oftmals selbst noch so viel guter Wille und eigenes Können nicht ausreichen, um das angestrebte Ziel wunschgemäß zu erreichen. Unzählige gute Vorsätze werden leider auch in diesem Bereich häufig von alltäglichen Zwängen zunichte gemacht.
Und auf die Erkenntnis der Eltern, diesen für die Kinder so wichtigen Schritt aus unterschiedlichsten Gründen nicht mit ihnen gemeinsam gehen zu können, folgt automatisch die nächste, ebenso verantwortungsvolle Entscheidung. Es gilt, ein geeignetes Schwimmkurs-Angebot zu finden, bei dem man sein Kind einem zunächst »Fremden« überlassen muss! Da ist es ein großes Glück, durch Empfehlung anderer Eltern von guten Angeboten zu erfahren. Wer dann noch kurz die allerwichtigsten Punkte zum Unterrichtsgeschehen »abklopft«, kann sich weitere Nachforschungen sicherlich sparen.

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