Wie Max bei Herrn Legahn schwimmen gelernt hat

Als unser Sohn Max kleiner war, stand er vor der großen Fensterscheibe der kleinen Schwimmhalle  in Maschen hinter dem Rewe-Markt und sah den Kindern zu, die dort Schwimmunterricht hatten. Er wollte unbedingt reingehen und mitmachen. Dort sagte man uns, Schwimmenlernen klappt frühestens mit vier. Noch so lange – mehr mein Problem, denn Max zeigte in der Zwischenzeit beim direkten Kontakt mit Wasser kein Interesse mehr. Im Gegenteil, es machte ihm Angst. Wenn wir in Frankreich Urlaub machten, mochte er lange nicht mal unten am Wasser buddeln und Sandburgen bauen.

Wir haben es dann auch an anderen Stränden probiert, wo das Wasser wärmer und kindgerecht lange flach bleibt, aber auch da wollte er nicht reingehen, nicht mal mit uns im Gummiboot. Im Freibad und in der Badeanstalt ging er nur ins Planschbecken. Ich habe mir dann schon sehr gewünscht, dass jemand Max helfen könnte, seine Angst vor dem Wasser zu überwinden und er lernen könnte, dass Wasser Spaß machen kann. Wir konnten ihm das jedenfalls nicht glaubhaft vermitteln, obwohl wir uns bemühten und auch ziemlich regelmäßig an den Wochenenden Schwimmen gingen.
Mit welchen Mitteln Herrn Legahn das gelungen ist, weiß ich nicht genau. Wir Eltern sind nicht in der Halle, wo unsere Kinder schwimmen lernen, sondern sitzen draußen und sehen durch die Scheibe zu. Fakt ist, dass Max jetzt schwimmen kann und auch Spaß im Wasser hat. Wenn wir jetzt mit ihm am Wochenende Schwimmen gehen, möchte er gerne ins ganz tiefe Wasser und zeigt uns dann, wie Schwimmen geht. Ich glaube, er ist sehr stolz auf sich, auf das, was er bei Herrn Legahn gelernt hat und darauf, wie gut er das jetzt kann.
Dabei war das für Max wirklich nicht leicht, die Sache mit dem Schwimmen-lernen. Die Anstrengung, das Wasser im Gesicht, machen müssen was jemand anderes sagt, die anderen Kinder. Max kam uns so einsam vor, immer etwas abseits von der Gruppe, ein kleiner Junge, der tapfer seine Aufgaben erfüllt. Und jeden Abend vor dem Einschlafen seine bange Frage: „Ist morgen Schwimmen?“  Zwischendurch haben wir überlegt, ob wir den Kurs abbrechen sollen. Haben überlegt, ob wir ihm zu viel zumuten. Ich dachte dann, dass es richtiger ist, dran zu bleiben. Weil ich gesehen habe, dass er Herrn Legahn mag, dass er, als er manchmal am Anfang bei mir geweint hatte, in dem Moment, wo er von Herrn Legahn begrüßt wurde, seine Stimmung schlagartig umschlug, er gute Laune bekam und sich stark fühlte. Weil mich das Konzept der Schwimmschule Legahn auch ganz am Anfang schon überzeugt hatte, bereits beim Probeschwimmen, als alle Kinder ohne Mamas in die Halle sollten und mein Kind auf meinen Arm geflüchtet war und den Kopf wegdrehte. Der Schwimmlehrer, es war in diesem Fall nicht Herr Legahn, sah das und bemerkte: „Ein Kind macht sich ganz besonders große Sorgen!“ Sofort wusste Max, dass er gemeint war, kam von meinem Arm runter und ging an der Hand vom Schwimmlehrer in die Halle – ohne Abschiedsschmerz, ohne Tränen, ohne Angst. Ich wünschte meinem Kind einfach sehr, dass er das lernen kann, neben dem Schwimmen, diesen Umgang mit der Angst, mit der Anstrengung, mit einer Sache, die auch unangenehme Seiten hat. Dass er lernt, dass er da durchkommen kann und am Ende stolz sein kann auf sich selbst. Etwas geschafft ohne Mama, ganz allein geschafft mit der Hilfe von jemand fremden, der kompetent ist und dem er vertrauen kann. Dem er vertrauen kann, weil er wahrgenommen wird, weil Herr Legahn ihn von da abholt wo er ist, wie man so sagt.
Ja, Max hat sein Seepferdchen gemacht, als einziger am letzten Tag des Intensivkurses, am Ende der Stunde. Die anderen hatten es schon vorher geschafft. Herr Legahn hatte zu Stundenbeginn gesagt, er glaubt, dass Max es heute schafft und dann war es so. Max war einfach so weit und hat das dann einfach gemacht, durchgezogen. Das hat mich unglaublich gefreut, wie das abgelaufen ist.
Und auch wenn Max abundzu noch, zwar nicht mehr vor dem Einschlafen, fragt: „Ist morgen schwimmen?“ und ich merke, er ist erleichtert, wenn ich nein sage, weiß ich, dass Wasser inzwischen sein Freund ist, zwar nicht sein bester, aber ein ziemlich guter. Und das freut mich, weil es eben nicht nur um die Sache mit dem Wasser und dem Schwimmen geht.
Silke R., Nov. 2007

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